Rothaus Bike Giro 20.- 23. August 2020

Der Rothaus Bike Giro bietet in Deutschland allen Mountainbike-Begeisterten ein wunderschönes Etappenrennen durch den Schwarzwald.

Über 220 Kilometer und 6000 Höhenmeter werden in den vier Tagen quer durch den Schwarzwald absolviert. Insgesamt gingen rund 450 Starter an die Startlinie. Die ersten beiden Tage starten vom Notschrei aus, und zeigen die schöne Gegend rund um den Feldberg. Die beiden anderen Tage starten direkt an der Brauerei Rothaus im nicht ganz so hoch gelegenen Grafenhausen.

(C) Sebastian Schnitzer, Rothaus Bike Giro Schwarzwald

In diesem Jahr war natürlich auch hier vieles anders, da das Event nur aufgrund eines sehr guten Hygienekonzeptes stattfinden konnte. Egal welche Meinung jeder Einzelne zu diesem Thema vertritt, momentan freue ich mich einfach, wenn überhaupt ein Rennen stattfinden kann. Denn es geht nicht nur um das Radfahren, sondern auch darum, seine Freunde und Bekannten zu sehen.

Aufgrund des Konzeptes musste im Start- und Zielbereich eine Maske getragen werden. Bis 30 Sekunden vor dem Start. Auch für die Betreuer gab es strenge Regelungen und die Daten wurden erfasst. Dafür bekam jeder Athlet und Betreuer ein rotes Armband.

Wie bei Etappenrennen üblich, gab es am ersten Tag einen Prolog mit kurzer Distanz. Hier standen 21,8 Kilometer und 560 Höhenmeter auf dem Plan. Trails gab es hier noch kaum und so wurde es natürlich ein sehr schnelles Rennen. Der Sieger kam mit seinem Mountainbike auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 Kilometern pro Stunde.

Für mich ging es eher darum, den Körper wieder an die Belastung zu gewöhnen. Durch eine beruflich ziemlich turbulente „nach Corona“ Zeit bin ich die 14 Tage vor dem Rennen mehr oder weniger überhaupt nicht auf dem Fahrrad gesessen.

Mir ist es immer wichtig, den Stress mehr oder weniger zu vermeiden. Radfahren soll Spaß machen und kein „Zwang“ sein.

Die Anreise war schon sehr schön. Von Titisee aus ging es hinauf Richtung Feldberg und wir hatten einen wunderbaren Blick auf den bei sonnigem Wetter gut besuchten Schluchsee.

Nachdem wir die letzten Serpentinen bis zum Notschrei geschafft hatten, begann der typische Renntrouble. Startnummer abholen, Fahrrad aufbauen und Nummer anpinnen. Bei mir Chaot kommen auch immer noch die letzten Reparaturen dazu 😀 Danach ging es direkt Richtung Start, denn der Start und Ziel Bereich lag oben im Langlauf Center.

Startblock Elite Damen Rothaus Bike Giro

Um 15:00 Uhr fiel der erste Startschuss für die Elite Herren, danach ging es mit jeweils einer Minute Abstand für die restlichen Fahrer auf die Strecke.

Der Start der Frauen verlief extrem schnell. Es wurde sofort richtig Gas gegeben und nach ca. 500 Metern war ich dem Kollaps nahe 😀 Schließlich fiel mir eine wild schreiende Frau am Rand auf, und mir wurde klar, warum mir langsam schwindlig wurde.

Ich hatte vor lauter Aufregung vergessen, die Maske abzusetzen. 😀 Im Trail mit hoher Geschwindigkeit gar nicht so einfach die Maske auszuziehen und hinten im Trikot zu verstauen. Pro Tipp für den nächsten Tag -> unbedingt vorher absetzen!

Fahrradfahren mit Maske

Die Strecke war mit 560 Höhenmetern relativ flach und so ging es den ersten Tag nur über Schotter und Waldwege. Nach den ersten drei Kilometern passierten wir wieder das Ziel. Am Ende der kommenden ersten langen Abfahrt fand ich dann einen Partner, um zusammen zu fahren. Mit ihm gemeinsam konnte ich bergauf ein super Tempo fahren und mich bergab nochmal etwas mehr pushen.

Die Strecke führte auch durch eine kleine Ortschaft, an deren Streckenrand einige Fans für eine tolle Stimmung sorgten.

Am ersten Tag fühlt man sich natürlich auch noch gut, man ist ausgeruht und hat noch Power. Dazu kommt, dass mir Kurzdistanzen viel Spaß machen, auch wenn mein Körper eher für Langdistanzen gemacht ist.

Der Schwarzwald zeigte sich von seiner besten Seite, mit schönem Wetter und Sonnenschein konnten wir die Strecke wirklich genießen. Ein Ausblick von oben ist einfach immer etwas Besonderes. Da ich schon lange nicht mehr im Schwarzwald war, hätte ich am liebsten noch einige Tage Urlaub angeschlossen.

(C) Sebastian Schnitzer

Durch die Kurze Etappe trafen sich alle Fahrer nach dem Rennen im Zielbereich auf der Wiese des Nordic Centers wieder. Hier wartete bereits mein erfrischend kühler Joghurt-Zitronen-Shake von For you E-health für einen direkten Start der Regeneration.

Zielsprint Rothaus Bike Giro

Nach der üblichen Plauderei im Ziel ging es für uns weiter ins Hotel in Kirchzarten. Direkt am Bahnhof fanden wir ein nettes Restaurant, in dem wir einen schönen Abend verbringen konnten, mit gutem Essen, und für mich natürlich mit Wasser 😀

Nach einer viel zu kurzen Nacht ging es beim Bäcker um die Ecke zum Frühstück. Ich hoffte auf Rührei oder Müsli, oder irgendetwas in diese Richtung. Leider bestand das Frühstück aus Croissant bzw. Brötchen mit Butter und Marmelade. Deshalb wurde es ein Kuchen und eine Brezel sowie eine Banane. Suboptimal 100, aber zu allem anderen fehlte die Zeit. Während des Rennens wird der Körper ordentlich mit Gels und Riegeln versorgt und so ging es an den Start.

Am 2. Tag standen 65,8 Kilometer und 2050 Höhenmeter an. Gleich zwei Mal wurden wir hinauf auf den Feldberg geschickt und so verteilten sich die Höhenmeter quasi hauptsächlich auf zwei Anstiege.

Etappe Feldberg mit dem Mountainbike

Schon vom Start weg war das Tempo heute deutlich langsamer als am Vortag. Die ersten drei Kilometer waren wieder dieselben und so passierten wir auch heute wieder direkt das Ziel. Nach der ersten Zieldurchfahrt hatte sich das Feld schon gut auseinandergezogen und es ging direkt auf die ersten Trails. Inklusive ein paar Spitzkehren. Dies führte leider zu einem abartigen Stau und so blieb nichts übrig, als einige Minuten den anderen Fahrern beim Tragen und Schieben zuzusehen. Etwas schade war, dass durch den Stau in der ersten Runde ein Fahren nicht möglich war. Und das, obwohl die Sektion wirklich schön war.

Heute erwarteten uns aber auch einige Sektionen, die mir persönlich nicht gefallen haben. Es gab einige Stellen, an denen wirklich halbe Bäume und lauter Geäst lagen. Da habe ich immer etwas Panik um meine super Pirope Laufräder, da diese super leicht sind und ein mega Rollverhalten haben. Allerdings möchte ich in meinen Textilspeichen nicht unbedingt einen Ast, wenn es sich vermeiden lässt.

Heute lief es erwartungsgemäß nach dem ersten Warm-Up-Renntag deutlich besser.

Die erste Bergetappe lief auch wirklich gut, ich war mit meiner Performance sehr zufrieden. Oben am Berg konnte ich auch die Elite Fahrerin auf dem Platz vor mir einholen und den Abstand bis zum Ziel halten. Allerdings ist sie mir leider auf der Bergab-Passage danach wieder entwischt.

Einen so langen Berg kenne ich nur vom Hero-Rennen in Südtirol, und ich muss sagen, kleine Rampen sind mir lieber. Für den Bergfahrer fehlen mir die körperlichen Voraussetzungen.

Zum ersten Mal seit langem waren mir die „nicht-technischen“ Verhältnisse wirklich recht. So waren die Rennen zeitlich deutlich schneller zu absolvieren, als die letzten Wochen in Tschechien.

Der Wechsel zwischen Asphalt, Schotter und Trail machte die Reifendruck-Wahl jedoch etwas schwerer und wir suchten den bestmöglichen Kompromiss.

Von Minute zu Minute lief es die ersten Dreieinhalb Stunden besser. Nach etwa der Hälfte des zweiten Berges überfiel mich dann aber doch die Müdigkeit. Der Berg schien immer endloser zu werden und ich fand einfach keine gute Gruppe, mit der ich ein Stück fahren konnte. Und so kämpfte ich mich in 4,5 Stunden zumeist allein durch die heutige Etappe.

Bei der Hitze des heutigen Tages versuchte ich so gut als möglich, hydriert zu bleiben und verbrauchte während der Fahrt rund 6.5 Liter Iso.

Heute war der erste Tag, an dem ich wirklich platt im Ziel war. Super stolz, denn ich glaube nicht, dass ich viel Zeit verschwendet habe, das war wirklich mein Limit.

Danach ging es zum Hotelwechsel. Die nächsten 3 Tage verbrachten wir im Landhotel Wilden Mann in Eggingen. Ein wunderschönes Hotel, welches wir wärmstens empfehlen können. Morgens aufwachen mit Blick auf die süßen Zottelkühe ist einfach schön.

Außerdem sind alle Produkte regional und mega lecker =)

Langsam kamen die ersten Müdigkeitserscheinungen. Die Nacht war mehr schlecht als recht, Der Magen meldete sich langsam aufgrund der Fülle an Gel und der Puls wollte auch nicht so recht runter gehen.

Bereits von anderen Etappenrennen wusste ich, der Dritte Tag wird der heftigste.

Dieses Mal kam allerdings alles anders.

Als moralische Unterstützung kam mein Papa zur 3. und 4. Etappe als Zuschauer mit. Und ich freute mich sehr auf die kommenden zwei Tage.

Das Wetter begrüßte uns heute mit Dauerregen.

Als der Startschuss fiel, merkte ich direkt, dass ich mich heute gut fühlte und hatte Riesen Spaß auf der Strecke. Die Betreuung durch Sandro und Papa war natürlich ein extra Boost und machte es mir noch einmal leichter. Gleich zu Beginn habe ich eine Gruppe von 3 Männern gefunden, die das Rennen mit sehr viel Spaß nahmen und als große Gaudi. Genau mein Ding also 😀

Die Zeit bis zur ersten und zweiten Verpflegungsstation verging wie im Flug. Heute gab es wirklich schöne Trails, bergauf wie bergab. Nach der zweiten Verpflegung an der Skischanze in Titisee ging es für uns wieder den Berg hoch. Und dann wieder nach unten…. Ganz, ganz weit nach unten. Leider hörten im Ort die Pfeile wieder auf. Und ich stand mit einer großen Gruppe von etwa 30 Fahrern an der Hauptstraße.

Keiner wusste weiter, eins war leider sicher: Dies war nicht der richtige Weg, jemand hatte die Schilder umgestellt.

Völlig verärgert und demotiviert ging es den Berg schiebend wieder hinauf, alle möglichen Kreuzungen wurden getestet wo es wieder weiter gehen könnte. Der Unmut wuchs von Minute zu Minute und bis wir endlich wieder die richtige Strecke gefunden hatten, war sozusagen das ganze Feld an uns vorbei.

Für mich war die Motivation danach ehrlich einfach weg.

Es machte überhaupt keinen Spaß mehr und ich wurde dadurch deutlich langsamer und verlor auch noch meine Gruppe. Der Tag war im Kopf abgehakt. Es ging nur noch darum, irgendwie ins Ziel zu gelangen, alles andere spielte keine Rolle mehr.

Im Ziel dann tatsächlich eine gute Nachricht. Das Orga-Komitee um Rick Sauser gab der ganzen Gruppe, die in die Irre geleitet wurde, eine Zeitgutschrift. Natürlich glich diese nicht alles aus, aber besser als nichts und eine wirklich nette Geste.

Damit ging es mit Vorfreude auf die letzte Etappe ins Bett.

Am vierten Tag merkte ich wirklich deutlich die vielen Stunden im Sattel und ich freute mich auf ein baldiges Ende 😀

Meine Motivation heute so schnell als möglich zu fahren, war riesig, denn ich wollte einfach nur fertig sein.

Glücklicherweise lief es mir wirklich gut und ich quetschte noch einmal alles aus meinem Körper, was nur möglich war. Die vielen Trails am heutigen Tag kosteten durch manchmal Absteigen noch einmal extra Körner, aber ich gab nicht auf und kämpfte mich durch. Das Härteste waren die letzten 2 Kilometer, auf denen es wirklich noch einmal richtig steil und matschig wurde. Die 66,7 Kilometer und 1400 Höhenmeter kosteten mich noch einmal sehr viel Kraft und Motivation. Glücklicherweise konnte ich fast die komplette Distanz in einer Gruppe fahren, wodurch wir uns auf der Ebenen schön mit dem Windschatten fahren abwechseln konnten.

Am Schluss standen 15 Stunden und 12 Minuten über die 4 Tage verteilt im Ergebnis und eine weitere, superschöne Rennserie in meiner Erinnerung.

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